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Wien, Sommer 2024: Drei geplante Taylor-Swift-Konzerte im Ernst-Happel-Stadion, rund 200.000 erwartete Besucherinnen und Besucher — und ein junger Mann, der einen Massenmordanschlag vorbereitete. Die österreichischen Behörden verhinderten die Tat in letzter Minute. Das Wiener Landesgericht verurteilte den Haupttäter zu einer langen Haftstrafe. Dieser Fall wirft grundlegende Fragen zum Terrorismus-Strafrecht auf, die auch in Deutschland gelten: Wann macht man sich durch Planung allein strafbar? W

Der Briefkasten, ein Schreiben vom Amtsgericht, eine Geldstrafe wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz — und keine Gerichtsverhandlung, kein persönliches Gespräch vorher. Genau so funktioniert das Strafbefehlsverfahren nach § 407 StPO: Das Gericht verurteilt schriftlich, ohne den Beschuldigten anzuhören. Wer das Schreiben unterschätzt oder ignoriert, riskiert eine rechtskräftige Verurteilung mit weitreichenden Folgen.

Das Telefon klingelt, am Apparat ist die Polizei: Der eigene Sohn oder die eigene Tochter wurde bei einer Straftat erwischt. Was nun? Das Jugendstrafrecht nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) stellt nicht Bestrafung, sondern Erziehung in den Mittelpunkt — das unterscheidet es grundlegend vom Strafrecht für Erwachsene.

Der Schlag kam ohne Vorwarnung — und danach folgen Wochen mit Arztbesuchen, Schmerzen und dem Gefühl, alleingelassen zu werden. Was viele Opfer von Körperverletzungen nicht wissen: Neben der strafrechtlichen Verfolgung des Täters haben Sie einen eigenständigen zivilrechtlichen Anspruch auf Schmerzensgeld. Dieser Anspruch besteht auf Basis von § 823 BGB in Verbindung mit § 253 Abs. 2 BGB und ist vom Ausgang des Strafverfahrens weitgehend unabhängig.

Die Bestellung ist bezahlt — die Ware kommt nie an. Oder eine täuschend echte E-Mail der Hausbank fordert zur Eingabe von PIN und TAN auf. Internetbetrug ist in Deutschland Alltag: Allein im Bereich Computerbetrug nach § 263a StGB wurden 2024 rund 17.500 Fälle polizeilich erfasst — und die Dunkelziffer liegt deutlich höher.

Die Polizei steht vor der Tür, der Vorwurf wiegt schwer — und das Gericht bestellt Ihnen einen Pflichtverteidiger. Viele Beschuldigte glauben in diesem Moment, der Staat übernehme die Anwaltskosten vollständig. Diese Annahme kann nach dem Verfahren zu einer empfindlichen finanziellen Überraschung führen.

Der Brief vom Staatsanwalt liegt auf dem Tisch: Ermittlungsverfahren wegen räuberischer Erpressung. Wer diesen Vorwurf zum ersten Mal liest, unterschätzt häufig dessen Schwere — dabei handelt es sich um ein Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuchs, das zwingend mit Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist. Eine Geldstrafe scheidet grundsätzlich aus.

Der Bußgeldbescheid liegt im Briefkasten, und schwarz auf weiß steht dort: ein Monat Fahrverbot. Für Pendler, Außendienstler und alle, die beruflich auf ihr Fahrzeug angewiesen sind, kann das existenzbedrohend wirken. Dabei ist ein Fahrverbot kein automatisches Endurteil — wer seine Rechte kennt, hat oft mehr Spielraum als gedacht.

Die Polizei klingelt, ein Brief der Staatsanwaltschaft liegt im Briefkasten — und plötzlich steht der Vorwurf Hausfriedensbruch im Raum. § 123 StGB ist ein Tatbestand, mit dem viele Menschen schneller konfrontiert werden, als sie es für möglich gehalten hätten: nach einem Streit mit dem Ex-Partner, einem Nachbarschaftskonflikt oder dem Betreten eines Geländes ohne klar erkennbare Grenze.

Ein Jahrzehnte alter Cold Case, ein Täter der sich sicher wähnte — und dann doch die Verhaftung. Solche Fälle sind möglich, weil § 78 Abs. 2 StGB unmissverständlich festhält: Verbrechen nach § 211 StGB verjähren nicht. Mord ist damit die einzige Straftat im deutschen Strafgesetzbuch, für die es keine zeitliche Grenze der Strafverfolgung gibt.

Die Nachrichten hören nicht auf. Täglich neue SMS, Anrufe, E-Mails. Vor der Haustür steht wieder dieselbe Person. Was nach übertriebener Aufmerksamkeit klingt, ist in Deutschland eine eigenständige Straftat — strafrechtlich als Nachstellung nach § 238 StGB verfolgt, zivilrechtlich durch das Gewaltschutzgesetz (GewSchG) bekämpfbar.

Das Fahrrad ist weg, der Geldbeutel aus der Jackentasche verschwunden, die Wohnung durchwühlt. Was im ersten Moment wie ein persönlicher Schock wirkt, ist strafrechtlich ein klar definiertes Delikt mit konkreten Folgen für den Täter – und mit handfesten Rechten für Sie als Opfer.

Ein Auto liegt im Straßengraben, der Fahrer ist bewusstlos — und Sie fahren weiter. Was im ersten Moment wie eine Schrecksekunde erscheint, kann strafrechtliche Konsequenzen haben. § 323c StGB verpflichtet jeden Menschen in Deutschland, bei einem Unglücksfall Hilfe zu leisten, sofern dies zumutbar ist. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, riskiert eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.

Das Gesundheitsamt ordnet die Quarantäne an — und schon ist man rechtlich gebunden. Eine behördlich angeordnete Quarantäne ist kein Appell, sondern ein Verwaltungsakt nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG), gestützt auf die §§ 28 bis 32 IfSG. Wer dagegen verstößt, riskiert je nach Bundesland ein Bußgeld zwischen 150 und 25.000 Euro — und in schweren Fällen sogar eine Freiheitsstrafe.

Sie werden beschuldigt, etwas gestohlen zu haben — aber es gibt keine Beweise, kein Geständnis, nichts außer einer bloßen Behauptung. Diese Situation ist belastender als viele andere Rechtskonflikte, denn ein Diebstahlsvorwurf trifft sofort den Ruf, das Arbeitsverhältnis und das persönliche Umfeld. Dabei gilt im deutschen Recht ein eiserner Grundsatz: Wer beschuldigt, muss beweisen.

Der Brief liegt im Briefkasten: Vorladung zur Vernehmung, Betreff Straftat. Viele Menschen reagieren mit dem Impuls, sofort alles erklären und klarstellen zu wollen. Genau dieser Impuls kann im Strafverfahren gefährlich werden — denn wer spricht, ohne die Aktenlage zu kennen, liefert den Ermittlungsbehörden Aussagen, die sich nicht mehr zurücknehmen lassen.

Der Brief liegt im Briefkasten: Vorladung als Beschuldigter wegen des Verdachts der Urkundenfälschung gemäß § 267 StGB. Für die meisten Menschen ist das der erste Kontakt mit einem Strafverfahren — und die erste Reaktion ist oft der schlimmste Fehler: freiwillig zur Polizei gehen und alles erklären.

Ein Anwalt erzählt auf einer Feier, dass ein Bekannter sich gerade scheiden lässt. Ein Arzt gibt dem Arbeitgeber Auskunft über die Diagnose eines Patienten. Ein Buchhalter nennt dem Konkurrenten die Kalkulation seines Arbeitgebers. Alle drei haben die Verschwiegenheitspflicht verletzt — mit teils erheblichen Folgen.

Das Urteil ist gesprochen, die Strafe verhängt — und dann kommt der Satz, auf den viele gehofft haben: Die Vollstreckung wird zur Bewährung ausgesetzt. Was das konkret bedeutet, welche Bedingungen daran geknüpft sind und wie schnell die Freiheitsstrafe doch noch vollstreckt werden kann, ist für Betroffene oft unklar.

Ein Schriftzug an der Hauswand, ein Piece auf dem S-Bahn-Waggon — was für manche Kunstausdruck ist, wertet das Strafgesetzbuch seit 2005 klar als Sachbeschädigung. § 303 Abs. 2 StGB, der sogenannte Graffiti-Paragraph, stellt das unbefugte Verändern des Erscheinungsbilds einer fremden Sache ausdrücklich unter Strafe — und zwar unabhängig davon, ob das Graffiti künstlerischen Wert hat.

Der Briefkasten enthält einen gelben Umschlag vom Amtsgericht — darin ein Strafbefehl, der eine Geldstrafe oder ein Fahrverbot verhängt, ohne dass jemals eine Verhandlung stattgefunden hat. Viele Betroffene sind unsicher: Muss man das akzeptieren? Die Antwort lautet nein — aber nur, wenn man innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung handelt.

Ein kurzes Telefonat mit der Familie — was in Freiheit wenige Cent kostet, wird hinter Gittern schnell zur finanziellen Belastung. Gefangene in deutschen Justizvollzugsanstalten sind an den Telefonanbieter gebunden, den ihre Anstalt unter Vertrag hat, und können weder auf Flatrates noch auf günstige Sondertarife zurückgreifen. Die Kosten für diese strukturell erzwungene Monopolsituation tragen ausschließlich die Inhaftierten und ihre Familien.

Eine Vorladung als Beschuldigter bedeutet: Gegen Sie läuft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren. Die Polizei oder Staatsanwaltschaft hat konkrete Hinweise gesammelt, die Sie mit einer möglichen Straftat in Verbindung bringen — und will jetzt Ihre Version hören. Doch bevor Sie auch nur einen Schritt auf die Polizeiwache machen, sollten Sie wissen, welche Rechte Ihnen § 136 StPO und § 163a StPO garantieren.

Ein Stein fliegt von der Autobahnbrücke. Ein Gullydeckel fehlt auf der Bundesstraße. Was spontan wie ein Streich wirkt, ist in Wahrheit eine der schwersten Verkehrsstraftaten im deutschen Strafgesetzbuch — der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr nach § 315b StGB, strafbar mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren im Grundtatbestand und bis zu zehn Jahren in schweren Fällen.

Ein Bild, das in einer Beziehung aufgenommen wurde, landet nach der Trennung im Netz. Ein Smartphone wird auf der Rolltreppe so gehalten, dass es unter einen Rock filmt. Ein unaufgefordertes Nacktfoto taucht im Postfach auf. Drei unterschiedliche Situationen — alle drei können in Deutschland eine Straftat sein.

Sie haben gezahlt, die Ware kommt nicht — oder das Profil des Verkäufers ist plötzlich verschwunden. Betrug auf Kleinanzeigenplattformen ist in Deutschland ein massenhaftes Problem: Laut Digitalbarometer des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik wurde bereits mehr als jeder vierte Deutsche Opfer von Internetkriminalität, ein erheblicher Anteil entfällt auf Transaktionen über private Verkaufsplattformen.

Der Brief vom Staatsanwalt liegt auf dem Tisch, der Vorwurf lautet Urkundenfälschung — was als vermeintlich harmloser Trick erschien, um Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen zu bekommen, entpuppt sich als handfeste Straftat mit weitreichenden Konsequenzen.

Eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) ist kein Urteil und erst recht kein Haftbefehl — aber sie ist der Moment, in dem die Weichen für den gesamten weiteren Verfahrensverlauf gestellt werden.

Der Abend war gesellig, das Fahrrad steht vor der Tür — und das Auto lässt man vernünftigerweise stehen. Was viele dabei übersehen: Auch auf dem Fahrrad gelten in Deutschland klare Promillegrenzen, und wer sie überschreitet, begeht eine Straftat nach § 316 StGB.

Die Stelle ist in Reichweite, das Vorstellungsgespräch lief gut — und dann kommt die Anforderung: Bitte legen Sie ein Führungszeugnis vor. Für Menschen mit einer Verurteilung in der Vergangenheit ist das ein Moment, der viele Fragen aufwirft. Steht die Sache überhaupt noch drin? Muss ich das dem Arbeitgeber sagen? Wann ist endlich Schluss damit?

Ein Ermittlungsverfahren flattert ins Haus — und mit ihm die Frage: Muss ich mir jetzt einen Anwalt leisten können, oder stellt mir der Staat einen? Die Antwort steckt in § 140 StPO, der abschließend regelt, in welchen Fällen ein Pflichtverteidiger zwingend beizuordnen ist. Dieses Recht gilt unabhängig vom eigenen Einkommen oder Vermögen — es ist kein Sozialhilfeinstrument, sondern eine Verfahrensgarantie.

Der Polizeieinsatz ist vorbei, der Schlüssel abgegeben — und plötzlich steht man ohne Wohnung, ohne Kontakt zu den eigenen Kindern da. Eine Beschuldigung wegen häuslicher Gewalt trifft hart und schnell, oft noch bevor überhaupt Schuld oder Unschuld festgestellt wurde. Wohnungsverweisung, Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz und Einschränkungen beim Umgangsrecht können innerhalb von Stunden vollzogen sein.

Sie wachen auf — verwirrt, desorientiert, mit Erinnerungslücken. Ihr Körper fühlt sich fremd an. Dieses Szenario erleben Betroffene von K.O.-Tropfen-Delikten immer wieder. Was viele nicht wissen: Wer K.O.-Tropfen heimlich verabreicht und dabei eine Vergewaltigung begeht, verwirklicht gleichzeitig mehrere schwerwiegende Straftatbestände — das hat erhebliche Auswirkungen auf das Strafmaß und Ihre Möglichkeiten als Opfer.

Ein Brief von der Polizei im Briefkasten – und plötzlich steht der Vorwurf im Raum: Beteiligung am unerlaubten Glücksspiel gemäß § 285 StGB. Viele Betroffene haben schlicht bei einem Online-Casino gespielt, das professionell wirkte, auf Deutsch verfügbar war und mit einer EU-Lizenz geworben hatte. Dass dies nach deutschem Recht trotzdem strafbar sein kann, wissen die wenigsten.

Der Brief der Staatsanwaltschaft liegt auf dem Tisch: Strafbefehl, Geldstrafe, Vorwurf des illegalen Glücksspiels. Viele Betroffene haben bei einem Online-Casino gespielt, das eine Lizenz aus Malta oder Gibraltar hatte — und ahnen nicht, dass das nach deutschem Recht trotzdem strafbar sein kann. Denn § 285 StGB erfasst die Teilnahme am unerlaubten Glücksspiel, unabhängig davon, wo der Anbieter lizenziert ist.

Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis in Deutschland nicht mehr generell verboten — das Konsumcannabisgesetz (KCanG) hat Cannabis und nichtsynthetisches THC aus dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) herausgenommen und einen neuen rechtlichen Rahmen geschaffen. Wer volljährig ist, darf seither unter klaren Auflagen Cannabis besitzen, zuhause anbauen und sich über eine Anbauvereinigung versorgen.

Der Nahostkonflikt ist auch in Deutschland zum Auslöser strafrechtlicher Ermittlungen geworden — gegen Demonstranten, Social-Media-Nutzer und Privatpersonen, die ihre Haltung öffentlich geäußert haben. Die Grenze zwischen grundrechtlich geschützter Meinung und strafbarer Volksverhetzung ist dabei nicht immer offensichtlich.
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